suchte ihn fünf Tage lang. Als das Bankkonto gesperrt, die Versicherungskarte neu beantragt und die Kundenkarten gedanklich abgeschrieben waren, tauchte er wieder auf: im Gefrierfach. Dafür fand sie verschimmelte, triefende Tiefkühlerbsen in ihrer Handtasche, was nur verstehen kann, wer weiß, dass Handtaschen von Müttern kaum noch benutzt werden. Sie laufen ja immer mit der Wickeltasche herum. Anja erzählt diese Geschichte gern jeder Schwangeren und Bald-Schwangeren zur Abschreckung.
Aber das ist nichts gegen meine Geschichte von vergangener Woche. In der Früh war Isabell, unsere Nachsorgehebamme, bei uns. Sie hatte Marlena gemessen und gewogen, mich versorgt und wollte die Kompressen in den Mülleimer werfen. Dort waren jedoch keine Mülltüten. Sie fragte, wo ich sie aufbewahre und – was soll ich sagen: Ich hatte es vergessen. Gemeinsam fanden wir sie in der Schublade unter dem Herd. Glauben Sie nicht? Es kommt noch schlimmer. Nachdem Isabell gegangen war, sprach mich die Nachbarin an, ob ich schon wieder im Stande sei, auf einen Kaffee bei ihr vorbeizukommen. Sie hatte zwei Tage zuvor Geburtstag. Wir wohnen seit sechs Jahren nebeneinander und ich schwöre, früher konnte ich mir nicht nur die Geburtstage der Nachbarschaft und meiner Kollegen in der Arbeit

merken, ich hatte auch alle Durchwahlnummern im Kopf. Doch weil jede Stillmahlzeit dieses kleinen Wesens an meiner Brust mindestens 1400 Zellen im Hippocampus zu vernichten scheint, hatte ich während des Gesprächs den Namen meiner Nachbarin vergessen! Ich war so geschockt von mir, dass ich krampfhaft zu vermeiden versuchte, ihren Namen zu nennen. Damit war ich so beschäftigt, dass ich überhaupt nicht mitbekam, wie sie sich verabschiedete. Glauben Sie immer noch nicht? Geht weiter.Danach wollte ich aus dem Haus, um Milch und Brot zu kaufen. Bis man drei Kinder in die Gänge bekommt, dauert es ein Weilchen. Und wer schon mal gestillt hat, weiß: Die Uhr tickt. In zwei Stunden müssen alle wieder zurück sein. Die nächste Mahlzeit ruft. Zwei Stunden – wenn es gut läuft. Also hektisch Einkaufszettel ( ja, auch für nur zwei Dinge brauche ich einen gelben Zettel) abgepflückt, Kind eins den Kinderwagen holen geschickt, Kind zwei aufs Klo gesetzt, Kind drei das Jäckchen übergestülpt (habe ich Geldbeutel, Hausschlüssel…wo ist denn nun der Einkaufszettel?). Kind in den Kinderwagen gelegt, Kinderwagen aus dem Flur bugsiert, dabei noch das Mützchen aus der Schublade links oben geangelt, den Großen gebeten, die Tür zuzuziehen. Auf dem Straßenabsatz vor unserem Haus spürte

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